Die Instrumente sind die eigentlichen Diven

Auf dem Stiftshof und an anderen Orten erlebten die Zuschauer in den letzten Wochen Kultur aus den unterschiedlichsten Genres. Der erste Backnanger Kultursommer ist die Frucht der langjährigen Arbeit von Jasmin Meindl (links) und Juliane Putzmann. Foto: A. Becher

Die Instrumente sind die eigentlichen Diven

Die Bandhaus-Theater-Leiterinnen Jasmin Meindl und Juliane Putzmann ziehen vor dem letzten Kultursommer-Wochenende eine positive Bilanz. Nur Petrus zeigte sich launisch, was vor allem Musikinstrumente so gar nicht vertragen können.

Von Ingrid Knack

BACKNANG. Der erste Backnanger Kultursommer endet am Sonntag. Wie fällt die vorläufige Bilanz der Bandhaus-Theater-Leiterinnen und Initiatorinnen Jasmin Meindl und Juliane Putzmann aus? „Wir sind sehr zufrieden mit dem bisherigen Verlauf“, sagen die beiden. Die Veranstaltungen seien gut angenommen worden. Jasmin Meindl: „Die Menschen genießen es sichtlich, wieder ins Theater, Kino, Konzert oder in eine Ausstellung gehen zu können. Es gibt so viele schöne Rückmeldungen. Viele sagen, das müsst ihr unbedingt wieder machen. Das vielseitige Angebot, die vielen kleineren Veranstaltungen, das gefällt den Leuten sehr. Ich finde es richtig schön, wenn ich abends Menschen mit Decken unterm Arm zum Stiftshof pilgern sehe. Da ist Leben in der Stadt. Und dann freut es mich ganz besonders, dass die Kindervorstellungen alle so gut verkauft waren.“ Wer allerdings nicht besonders gut mitgespielt hat, war Petrus. Das Wetter hätte sich „wirklich ein bisschen freundlicher zeigen können“, so Meindl. Zum Glück musste aber keine Veranstaltung abgebrochen werden. „Und verschoben wurden auch nur die Veranstaltungen, die wegen der Musikinstrumente nicht möglich waren.“ Bei dem Programm „Ins Blaue“ etwa werden Gedichte und Tanz von einer Harfe begleitet. „Das geht nur, wenn es trocken ist. Selbiges gilt für den Chansonabend und für das Kammerkonzert. Die Musikinstrumente sind die eigentlichen Diven beim Kultursommer.“
Mussten Veranstaltungen wie die Lyrikwanderungen verschoben werden, stieg das eh schon immense Arbeitspensum der Bandhaus-Theater-Leiterinnen gewaltig. Konkret stellten sich dann auch nicht einfach zu beantwortende Fragen wie: „Welchen Ausweichtermin soll man wählen, wenn tags darauf oder die Woche darauf wieder Regen angesagt ist?“ Überdies mussten etwa das Publikum, Easy-Ticket, Mitwirkende, Technik, Reinigung, Einlass- und Gastropersonal informiert werden. „Da ist man schon mal einen halben Tag nur mit Kommunikation beschäftigt“, sagt Meindl.
Auch das gab es: wegen Krankheit ausgefallene Veranstaltungen. Dazu gehören „Über Faust“ und einige Kasperltheatervorstellungen. Die Zusammenarbeit mit allen, die zum Kultursommer einen Beitrag leisteten, hat nach den Worten der Initiatorinnen ziemlich gut geklappt. „Mit den meisten können wir uns eine weitere Zusammenarbeit sehr gut vorstellen. An anderen Stellen hat es auch mal gerumpelt. Aber das gehört dazu. Es menschelt halt überall“, meint Jasmin Meindl. Es sei auch erstaunlich, wie viele Helferinnen und Helfer sich engagierten. „Für den Einlass, Platzordner, Gastro et cetera mussten fast 300 Positionen besetzt werden.“ Und Juliane Putzmann erwähnt die Erkenntnis, „wie viele Menschen mit tollen Ideen und wie viel Qualität um einen herum noch vorhanden sind. Es war schön, diese Lebendigkeit zu spüren“.
Und was würden Meindl und Putzmann das nächste Mal anders machen? „Konzerte nur noch auf überdachten Bühnen“, erklärt Meindl. Und: „Vier Premieren beziehungsweise Wiederaufnahmen von Stücken innerhalb von vier Wochen, dazu das Tagesgeschäft eines Festivalbetriebs, ist ziemlich viel. Das nächste Mal produzieren wir weniger Stücke, dafür zeigen wir sie öfter.“ Juliane Putzmann fügt an: „Es war ein vielseitiges Programm, das auch durch die Coronazeit entstanden ist. Vieles wurde gezeigt, weil es bereits produziert war, aber noch nicht Premiere feiern konnte. Der Ursprungsgedanke war ja auch, unser Bandhaus-Theater-Programm nach draußen zu verlegen und die Kolleginnen und Kollegen mit ins Boot zu nehmen. Ein Programm gezielt für ein Freiluftfestival zu planen, wäre noch mal eine andere Herangehensweise, die mich sehr reizt. Ich denke, es können Abläufe noch gezielter so geplant werden, dass es weniger kompliziert für uns wird.“
Die beiden Theaterleiterinnen sind stolz darauf, dass sie gemeinsam mit allen Beteiligten den Kultursommer auf die Beine stellen konnten. Ein solch riesiges Festival unter diesen Umständen aus der Taufe zu heben, koste viel Kraft, sei aber auch Beweis dafür, dass Kultur Zusammenhalt schaffe. „Solidarität ist wichtig. Daran sollten wir auch in Zukunft arbeiten. Das Bandhaus-Theater wird das ganz bestimmt tun“, das versichern die Theaterexpertinnen, die alles gegeben haben, um in der auch für die ganze Kulturbranche verheerenden Coronazeit Kulturerlebnisse zu ermöglichen. Dafür haben sie Standing Ovations verdient.

Veranstaltungen am letzten Kultursommer-Wochenende

Programm Freitag Für den Schlagerabend über Frauenbilder und Männerrollen von früher bis heute mit dem Titel „Wunder gibt es immer wieder“ heute um 20.30 Uhr auf dem Stiftshof sind noch Restkarten erhältlich. Die Vorstellung „4 Temperamente“ mit Sebastian Scheuthle um 20.30 Uhr auf dem Hofgut Hagenbach ist ausverkauft.

Programm Samstag Tag der offenen Bühne von 10 bis 16 Uhr auf dem Stiftshof. Der Eintritt ist frei. Um 18 Uhr gibt es eine Finissage der Ausstellung in der Spinnerei 2. Um 20.30 Uhr startet die Aufführung von „Wunder gibt es immer wieder“, es gibt noch Karten. Die Kunstaktion „Kunst am Geländer“ der Backnanger Künstlergruppe ist von 31. Juli bis 1. August zu erleben.

Programm Sonntag Das Kasperltheater, das um 15 Uhr auf dem Stiftshof aufgeführt werden sollte, ist ersatzlos gestrichen. „Wunder gibt es immer wieder“ ist im Rahmen des Kultursommers das letzte Mal um 20.30 Uhr zu sehen. Tickets sind noch zu haben. Die auf 1. August verschobenen lyrischen Wanderungen „Ins Blaue“ beginnen um 16 und 19 Uhr. Einige Plätze sind noch frei.