Ebbes + ebbes = ebbes

Ebbes + ebbes = ebbes

Von Carmen Warstat

Das Thema Nacht – irgendwie ist es allgegenwärtig im Backnanger Kultursommer, denn sie, die Nacht, wird beleuchtet mit allen Mitteln der Kunst: Musikalisch, bildkünstlerisch und sprachlich. Passend zur Ausstellung NACHT EINS, die im Helferhaus gezeigt wird und dem 80. Geburtstag Ernst Hövelborns gewidmet ist, lud letzterer an einem lauen Sommerabend im Markgrafenhof zum Philosophieren über Nächtliches aus unzähligen erdenklichen Perspektiven ein. „Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen“, scherzte Hövelborn, den geliebten „Faust“ zitierend, vorab und hielt Wort: Philosophen von Hegel bis Sloterdijk kamen zu Wort, Pharaonen und alte Griechen, Goethe natürlich und Nietzsche, Jean Paul, Eduard Mörike, Foucault, James Joyce, Joseph Conrad, Breton, Michelangelo, Dürer, Goya, und, wir sagten es bereits: Hegel, Hegel, Hegel.     Ernst Hövelborn verstand es, seine Dialektik in der Alltagssprache der Schwaben sichtbar zu machen, die Negation der Negation im Dialekt aufzuspüren und seine Zuhörer zu erheitern: „Voll leer“ oder „nicht schlecht“, „Kommet, mr ganget“, „so isch nu au wiedr“ – Was drücken diese Beispiele „schwäbischer Dialektik“ anderes aus als die Aufhebung des Gesagten durch sein Gegenteil, das bei Hegel natürlich immer mitgedacht wird. Denn das Grundprinzip seiner Dialektik bestand darin, die Dinge immer zwei Mal zu betrachten, und das Lieblingswort des gebürtigen Schwaben (Stuttgart) hieß „ebbes“, und zu „ebbes“ kam ihm immer ein weiteres „ebbes“ hinzu. Dieses und andere Details konnte man von Hövelborn erfahren. Sein überaus dichter Vortrag, der das breite Hintergrundwissen des Referenten freilich nicht zu fassen vermochte, verstand es, die Philosophie in den Alltag zu holen und mit zahlreichen Bonmots sein Publikum auch zu unterhalten: „Der Schatten ist parasitär“, „der gelähmte Augenblick“ ist nie allein, sondern immer auch in Vergangenheit oder Zukunft (nach Ernst Bloch), „das Licht ist jünger als die Nacht“ (nach Hegel) – viel Stoff zum Nachsinnen und Nachlesen vielleicht….

Die nächste Veranstaltung des Heimat- und Kunstvereins findet am Freitag, dem 16. 7. Ebenfalls im Markgrafenhof statt. Es handelt sich um die Lesung „ja, herr pfa…“ mit der konkreten Poesie Ernst Jandls, die vom Schlagzeug begleitet wird. Beginn 19 Uhr. Eintritt frei.