„TOM ist ein poetischer Prozess“

„TOM ist ein poetischer Prozess“

Wie und wieso sind Sie Künstler geworden?

Mir ist schlicht nichts anderes übrig geblieben. Ich bevorzuge übrigens den Ausdruck Bildhauer. Und jetzt bin ich eben auch Ausstellungsmacher. Studiert habe ich an der Akademie in Karlsruhe. 

Mit welchen Material arbeiten Sie?

Ich habe mit viel Material experimentiert, bin aber dann beim Stein hängengeblieben. Ich bin ja auch gelernter Steinmetz. Dieses Raushauen ist für mich ein Kriterium, etwas zum Vorschein zu bringen. Etwas den Leuten gegenüberzustellen, mit dem sie sich auseinandersetzen können: Kunst ist zu großen Teilen Kommunikation.

Und deshalb machen Sie jetzt auch diese Ausstellungen im TOM – Spinnerei 2?

Ja. Das ist eine Art Sonderschicht. Ich komme ja auch über Architektur, und die Ausstellungen spielen mit diesem Format. Es geht um Kommunikation und zwar zwischen den Kunstschaffenden (sieben sind aus der Umgebung, sechs überregional), dem Ort Backnang Spinnerei 2 und den Rezipienten.

Die ausgewählten Künstler*innen werden im Zusammenspiel ein neues und einzigartiges Vokabular erschaffen und versuchen, damit diese Kommunikation aufzubauen. Das geschieht bei den acht Veranstaltungen in zielgerichteter, jeweils unterschiedlicher Form. Immer direkt ausgerichtet auf die Wahrnehmenden. Wie weit und in welcher Form die Kunst bei diesen Veranstaltungen aus dem Gebäude herausdringt, bleibt den Ausführenden überlassen. Tendenziell wird ähnlich zum jetzigen Verlauf der Pandemie eine immer stärkere Öffnung passieren. In der veranstaltunfsfreien Zeit werden die Ergebnisse der Kommunikation zu jeder Zeit über die Glasflächen einsehbar sein. TOM ist ein poetischer Prozess.

Kunst als Faktor der Kommunikation: Der hohe Wert von Kunst und Kultur ist in Corona-Zeiten ja noch einmal besonders zu betonen.

Das war schon vorher so. So in Richtung: Kunst braucht kein Mensch, das kann man sich sparen. Wenn ein*e Künstler*in eine Ausstellung macht, bekommt er oder sie normaler Weise kein Honorar. Die Techniker*innen und Hausmeister*innen dort schon. Da sieht man das Ungleichgewicht schnell. Aber Kunst ist ja noch viel wichtiger als das, was die Künstler*innen brauchen. Es geht darum, andere Sichtweisen und Wahrnehmungen anzubieten. Sonst wird alles so eintönig. Kunst bricht auf. Wer nur noch die eigene Position wahrnehmen mag, kann nicht mehr kommunizieren. Und wer in einer Gesellschaft eine einzige Position etablieren will, schafft einen gleichförmigen, monotonen, langweiligen Staat. Dagegen wirkt die Kunst: Sie arbeitet am Durchdringen des Ganzen. Deshalb kann ein*e Künstler*innen gar nicht anders, als Künstler*in zu sein. Man hat keine Wahl.