Versuchen, den Lauf zu genießen

Versuchen, den Lauf zu genießen

So langsam fängt das Kribbeln an. Nach mehr als drei Monaten regelmäßigen Trainings steht der Moment der Wahrheit kurz bevor: der Backnanger Silvesterlauf. Als ich gemeinsam mit etwa 60 weiteren Teilnehmern in das Programm Laufend BKZ gestartet bin, habe ich unsere Trainerin und AOK-Sportpädagogin Brigitte Würfel gefragt, was für mich ein realistisches Ergebnis für die zehn Kilometer an Silvester wäre. Eine Zeitvorgabe wollte sie mir nicht machen. Wenn ich meinem Trainingsplan folgte, würde ich den Lauf in meinem persönlichen Wohlfühltempo ohne Probleme schaffen. Das müsse das Ziel sein.

Beim letzten offiziellen Training auf der Silvesterlaufstrecke konnte ich mir schon mal einen ersten Eindruck davon verschaffen, wie es um meine Form bestellt ist. Nachdem ich in den zwei Wochen zuvor aufgrund von Kniebeschwerden wenig bis gar nicht trainiert hatte, waren meine Erwartungen nicht ganz so hoch. Die vier Runden zu schaffen, wäre schon ein Erfolg. Außerdem hatte ich so die Gelegenheit, mich noch einmal etwas mit der Strecke vertraut zu machen. Bisher war ich nur die eine Runde beim Red Nose Run gelaufen.

Los ging es um kurz nach 19 Uhr. Ich fand mich schnell neben Rolf Hettich wieder, mit dem ich schon im Training ab und zu gelaufen war. Als erfahrener Läufer hatte er auch gleich noch ein paar Tipps für den Lauf an Silvester parat: So kurz bevor es ernst wird, solle ich nichts mehr erzwingen. „Den Trainingsrückstand, den du jetzt vielleicht hast, den holst du auch in einer Woche nicht mehr auf.“ Deswegen: Locker bleiben und genießen! Das ist leicht gesagt. Denn in der ersten Runde, da geht alles noch recht locker. Wenn man dann aber zwei- oder dreimal die Marktstraße rauf musste, sieht das schon wieder anders aus. Rolf hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon auf und davon gemacht. Nicht etwa, weil er aufgehört hätte. Nein, er hat noch einen Zahn zugelegt. Zugegeben, nach ein paar Kilometern bin ich auch keine gute Gesellschaft mehr. Da ist statt dem Plaudern Schnaufen angesagt. Aber immerhin, ein paar der Laufend-BKZ-Kollegen hatte ich im Blick. Hartmut und ich überholten uns einige Male gegenseitig – bergauf war ich schneller, bergab er.

Auf der dritten Runde fing mein Knie wieder an, sich bemerkbar zu machen. Zwar war es lange nicht mehr so schlimm wie noch vor zwei Wochen, aber so kurz vor dem Lauf wollte ich dann doch nichts riskieren. Die vierte Runde schenkte ich mir und erntete ein paar verdutzte Blicke, als ich mich zu jenen Läufern gesellte, die ihren Übungslauf bereits absolviert hatten und Dehnübungen machten. Etwa 50 Minuten waren bis dahin vergangen. Das ist zwar noch ein Stück von meinem anvisierten Ziel von einer Stunde für zehn Kilometer entfernt. In Anbetracht der Umstände aber nicht so schlecht, fand ich.

Kurz darauf machte auch mein bewährter Trainingskollege Walter nach drei Runden Schluss. Er versicherte mir: „An Silvester wird das noch einmal ganz anders sein, wenn die vielen Zuschauer da sind und einen anfeuern.“ Davon sei man als Läufer richtig beflügelt. Wie Rolf sagte auch Walter, Spaß zu haben ist die Hauptsache. Auch Brigitte stieß kurz darauf noch zu uns und erkundigte sich nach meinem Knie. Sie hatte mir ein paar Übungen gezeigt, mit denen ich der Sehnenreizung entgegenwirken konnte. Ich war zwar nur drei Runden gelaufen, traute mir aber zu, an Silvester alle vier zu schaffen. In ihrer beruhigenden Art zerstreute die Sportpädagogin eventuelle Zweifel: „Wir haben uns ja jetzt intensiv darauf vorbereitet, da wird das schon klappen.“ In der Woche vor Silvester sollten wir auf übermäßiges Training verzichten und Kraft tanken. Seitdem lege ich also abends die Beine hoch, anstatt zu laufen. Insofern: Der Silvesterlauf kann kommen, ich bin bereit.

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