Kräftige Bewegung am Ufer der Murr

Kräftige Bewegung am Ufer der Murr

Erst waren Experten für kernige Torschüsse dran, danach durften Möchtegern-Nationalspieler und nicht ganz so Talentierte ran. Die BKZ-Torschussaktion sorgte am Straßenfestsamstag für kräftige Bewegung am Murrufer. Wenige Stunden bevor Toni Kroos die DFB-Elf in Russland ins Fußballglück schoss, testeten fast 170 Teilnehmer, welche Kraft in ihrem rechten oder linken Bein steckt.

Von Uwe Flegel

BACKNANG „Jaaaa.“ Die Antwort der neunjährigen Antje und ihrer zwei Jahre jüngeren Schwester Ida war hörbar eindeutig. Das Runde mit viel Schmackes ins Eckige der Torschussmessanlage unserer Zeitung zu jagen, hatte viel Spaß gemacht. Deshalb aber gleich vom Cheerleading bei den Backnanger Wild Things zum Fußball zu wechseln, das kommt für die beiden Mädels aus Burgstetten aber nicht in die Tüte. Jubeln und mit Turnelementen gespicktes Anfeuern liegt offensichtlich eher in der Kernkompetenz der beiden Schwestern als dem runden Leder und irgendwelchen Gegenspielern hinterher zu hecheln. Wobei Antje Maiberg sich demnächst mal kostenlos anschauen darf, wie gut die Profis das hinbekommen, gewann sie doch bei den Mädchen die Altersklasse bis 10 Jahre. 60 Stundenkilometer hatte der BKZ-Ballspeedometer angezeigt, als sie die Kugel mit dem rechten Fuß ins Tornetz beförderte. Nicht schlecht.
Noch besser waren zu Beginn jedoch fünf Fachmänner gewesen, die in einem kleinen Schauwettkampf zeigten, welchen Bums richtige Kicker drauf haben. Den nicht ganz bierernsten Vergleich zwischen Drittligist Großaspach, Oberligist TSG Backnang sowie den Meisterteams SV Allmersbach, SV Steinbach und Großer Alexander Backnang gewann Matej Maglica für den Etzwiesenverein. Mit 120 Stundenkilometern drosch der Innenverteidiger die Kugel ins Tor. Schlecht schlugen sich allerdings auch seine Konkurrenten wie Daniel Bohn (SVA), Wladimir Franz (SVS) und Niko Koumpoulidis (Großer Alexander) nicht, knackten doch alle die Hundertermarke. Besonders beachtenswert: Mit Andreas Benignus wurde Drittligist SG Sonnenhof vom Vorsitzenden persönlich vertreten, da das Drittligateam zur gleichen Zeit eine schweißtreibende Trainingseinheit absolvierte. Ein großer Nachteil war das für den Klub aus dem Fautenhau aber nicht. Im dritten Versuch brachte es der Klubboss auf genau 100 Kilometer.
Das gelang in den anschließenden knapp vier Stunden nur noch selten. Der Teilnehmer mit der weitesten Anreise scheiterte nur knapp. Aber 97 Stundenkilometer sind für einen Vierzehnjährigen wie Brandon Scheunemann mehr als beachtlich. Der junge Mann und seine Begleiter erzählten dann auch, dass sich Fußball in Indonesien großer Beliebtheit erfreut. Wobei er mit seiner Schwester Shania und seinen Eltern selbstverständlich nicht wegen der Torschussaktion der Backnanger Kreiszeitung am Murrufer gegenüber der Bleichwiese die über 11 000 Kilometer lange Anreise vom südostasiatischen Inselstaat hierher auf sich genommen hat. „Sie besuchen vier Wochen lang Deutschland“, erzählte Gastgeberin Bettina Kegel, die selbstverständlich die Gelegenheit nutzte und mit ihren Gästen das Straßenfest-Spektakel in ihrer Heimatstadt besuchte.

Zwei Schützen erreichen mehr als 100 Kilometer pro Stunde

Überhaupt erreichten außerhalb des Schauwettkampfs nur noch zwei Schützen mehr als 100 Stundenkilometer. Ahmet Alabas (105) sowie Feyyaz Benzetti (101), die bei den Jungs sowie den Erwachsenen dann auch gewannen und wie alle Sieger der insgesamt vier männlichen und vier weiblichen Altersklassen nun zwei Freikarten für ein Heimspiel der SG Sonnenhof Großaspach in der anstehenden Drittligasaison erhalten.
Wie erwähnt. Der Reiz, mal wie die Profis zu schießen und herauszufinden, welche Schusskraft im rechten oder linken Bein steckt, war groß. Fast 170 offizielle Teilnehmer versuchten sich. Die Jüngsten waren gerade mal vier Jahre alt, der Älteste über Siebzig. Und auch die Fußbekleidung war höchst unterschiedlich. Geschossen wurde barfuß, in Strümpfen, in edlem und sportlichen Schuhwerk oder gestöckelt. Die einen, wie die beiden zwölfjährigen Julius und Linus, machten mit, „weil uns gerade langweilig war und das hier Spaß macht“. Andere, wie der 16-jährige Dennis, waren dabei, „da ich einfach schauen wollte, wie stark ich schießen kann“. Und wiederum solche, wie die Kumpels Levente, Steffen, Nils, Christoph, Rene und Timo, nutzten die Gelegenheit, um sich sportlich auf das deutsche WM-Duell mit Schweden einzustimmen. Mit 97 Stundenkilometern schaffte Christoph gar eine Leistung, die nicht so weit weg war vom fulminanten Freistoß eines gewissen Toni Kroos wenige Stunden später. Und auch da ertönte es lauthals und begeistert: „Jaaaa.“ Diesmal aber nicht nur aus den Mündern zweier junger Mädchen.

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