Sieg mit selbst geschriebenem Chanson

Sieg mit selbst geschriebenem Chanson

Sie sitzt auf einem Barhocker, spielt Gitarre und singt ein selbst komponiertes französisches Lied: „Danser dans la rue“: Die 15-jährige Franziska Geprägs aus Ehingen an der Donau. Sie gewinnt am Sonntag den ersten Preis beim Backnanger Nachwuchsfestival und obendrein noch den Kompositionspreis. 20 Nachwuchstalente waren angetreten, um einen der ersten Plätze oder einen der Sonderpreise zu ergattern.

Von Ingrid Knack

BACKNANG. Als ihre Mitstreiter ihr gratulieren, sagt Franziska Geprägs immer wieder: „Für mich sind alle die Gewinner“. Das kommt ehrlich rüber. Die Gymnasiastin kann es kaum fassen, dass sie mit dem Lied über einen Mann, der auf der Straße tanzt, an allen vorbeigezogen ist. „Ich habe es gar nicht erwartet“, versichert sie, nachdem sie noch einmal ihr Lied gesungen hatte. Doch ganz unerfahren im Preise entgegennehmen ist die Schülerin nicht. Bei „Jugend musiziert“ landete sie in der Sparte Musical auf Landesebene schon einmal auf einem zweiten Platz. Auch beim Songwriting-Wettbewerb „Songs“ der Popakademie Mannheim in Kooperation mit der Stiftung Bildung und Soziales der Sparda Bank Baden-Württemberg hat sie in diesem Jahr Bühnenerfahrung gesammelt – da kam sie immerhin ins Finale.
Einen Song auf der Bühne performen zu können, findet sie ganz wichtig, „durch solche Erfahrungen kommt man weiter. Ich wünsche mir, so etwas einmal machen zu können, das wäre ein Traum“, erklärt Franziska Geprägs. Und sie verrät: „,Danser dans la rue’ war mein erster Song. Ich habe ihn innerhalb von zwei Tagen geschrieben. Am ersten Abend den Text, am zweiten Abend die Melodie.“ Wie aber entsteht so ein Song? „Ich habe immer ein Bild vor mir. Meine Fantasie hat da keine Grenzen“, meint sie. In dem Siegertitel geht es um einen Mann, der viele Narben auf seiner Seele hat. Er hat seinen Sohn verloren und schlägt sich mit Alkoholproblemen herum. Dann beginnt er, barfuß auf der Straße zu tanzen. „Das ist so ein Ausweg aus seinen Problemen. Da kann er einfach sorgenfrei sein.“
Mit ihrer starken Performance überzeugt die Jenny Bright Band aus Hardt, die ebenfalls eine Eigenkomposition herausgesucht hat: „Kiss my Ass“. Die „Leck-mich-am-Arsch“-Botschaft richtet sich „an einen Herrn, der mich nicht so behandelt hat, wie ich es verdient habe“, erklärt die singende und Gitarre spielende 20-jährige Jenny Bright (Jenny Heckmann) Moderator Jochen Graf vom SWR 3. Wie der in dem Text Beschriebene das Lied findet, weiß sie nicht. Aber live gehört habe er es schon. Begleitet wird Jenny von Ramon Pfanner und Marian Termath (beide E-Gitarre), Maximilian Götte (E-Bass) und Ralf Hering (Drums). Die Nachwuchsfestival-Fans kennen Jenny Bright schon aus dem Jahr 2016. Vor zwei Jahren erreichte sie ebenfalls einen zweiten Platz und obendrein den Wolle-Kriwanek-Förderpreis. Mit zwölf Jahren hat sie das Songwriting für sich entdeckt. Country-Pop ist ihr Ding. Dieses Genre findet sie einfach authentisch. Auch ihre Songs seien Geschichten aus ihrem Leben, ein Gefühl oder ein Gedanke, die sie versucht, in Worte und Musik zu fassen. Die Themen sind Liebe, Freude, Schmerz und Sehnsucht.
Den dritten Preis bekommt die mit 14 Jahren jüngste Teilnehmerin: Kiara Huber aus Herrenberg. Sie singt den Ohrwurm „Human“ von Rag’n’Bone Man. Ihr selbst gefällt daran die „coole message“. Die Welt ist so komplex, wer blickt da noch durch, ich bin nur ein Mensch – es ist eine unübersichtliche Gemengelage, von der da die Rede ist. Die Gewinner auf den ersten drei Plätzen erhalten 1000, 500 beziehungsweise 300 Euro. Für die beste Eigenkomposition gibt es 250 Euro. Außerdem vergibt die Jury zwei Sonderpreise (je 100 Euro). Sie gehen an Helena Maisch (17) aus Weinstadt mit „Stay“ von Rihanna und Shakira Wiebe (20) aus Backnang mit „Smells Like Teen Spirit“ von Nirvana. Mit dem mit 1000 Euro dotierten Wolle-Kriwanek-Förderpreis wird Yan Mushegera (20) aus Nürtingen ausgezeichnet. „Fliegen“ nennt er seine Eigenkomposition. Der 20-Jährige begleitet sich selbst mit der Gitarre. „Eine coole Stimme und ein Song ohne Schnörkel“, lobt Benny Kriwanek bei der Übergabe der Urkunde. Die Preise werden von der Stadt Backnang, dem jmh-Studio aus Allmersbach im Tal und der Kreissparkasse Waiblingen gesponsert. Den Vorsitz der Jury hat Michael Unger, Posaunist und Leiter der Jugendmusik- und Kunstschule. Die weiteren Juroren: Christian Langer, Sänger von Die Füenf, Wolle Kriwaneks Sohn Benny Kriwanek, Sängerin Sabine Petrich, Schlagzeuger Meinhard „Obi“ Jenne, Rüdiger Wolf (Mundart-Rockmusik), Debora Kammerer (Backnanger Jugendmusikschule/Popgesang), Moderator Jochen Graf und Ingrid Knack (BKZ). Die Organisation liegt bei Jürgen M. Häfner.

No Comments

Post A Comment