Tausende feiern die fünfte Backnanger Jahreszeit

Tausende feiern die fünfte Backnanger Jahreszeit

Für jeden soll etwas dabei sein – nach dieser Devise planen die Verantwortlichen der Stadt und Organisator Jürgen Häfner die verschiedenen Programmpunkte des Backnanger Straßenfests. Einmal mehr hatten die Besucher am Wochenende die Qual der Wahl bei den Musikvorstellungen, Snacks und Unterhaltungsmöglichkeiten.

Von Florian Muhl und Lorena Greppo

BACKNANG. Am Freitag treffen sich die Einheimischen, Samstags kommen viele Auswärtige und am Sonntag sind vor allem Familien unterwegs. Auf dem Marktplatz wird viel zünftige Blasmusik gespielt, die Tanzwütigen finden sich oft auf dem Stiftshof, Oldies und Rock hört man am Obstmarkt und im Biegel gibt es Musikgenres wie Reggae und Soul auf die Ohren. Das Backnanger Straßenfest ist vor allem eins: sehr vielfältig.

  •  Die „wundervollen Partnerstädte“ Annonay, Bácsalmás und Chelmsford würdigte OB Frank Nopper beim traditionellen Partnerschaftsempfang vor der ehemaligen Spinnerei Adolff. Besonders hob er dabei hervor, dass Backnang und Bácsalmás nun 30 Jahre Städtepartnerschaft verbinden. Auch der Bürgermeister der ungarischen Stadt, Balázs Németh, lobte die Freundschaft, die von „Einwohnern beider Städte geprägt und gestaltet wurde“. Als die Partnerschaft zustande kam, sei dies ein Kuriosum gewesen, denn die Städte befanden sich „auf verschiedenen Seiten des eisernen Vorhangs“. Die Verbundenheit reiche aber viel weiter zurück, sagte der Bácsalmáser im Hinblick auf die heimatvertriebenen Ungarndeutschen, die in Backnang Zuflucht gefunden haben. Annonays Bürgermeisterin Antoinette Scherer brachte ihre „immense Freude“ zum Ausdruck, dem Straßenfest ein weiteres Mal beizuwohnen und äußerte die Hoffnung, dass Deutschland und Frankreich im WM-Finale aufeinandertreffen. Chelmsfords neu gewählte Bürgermeisterin konnte an dem Festakt nicht teilnehmen, ließ David Whitehead ausrichten, der sich seit Jahren für die Städtepartnerschaft engagiert. Er war sich dennoch sicher: „Wir können uns auf eine glorreiche Zukunft der Städtepartnerschaft freuen“, egal was nach dem Brexit passiere, denn diese sei lebendig und von einer neuen Generation belebt.

 

  •  Auf keinem Straßenfest dürfen die zahlreichen Vereine aus Backnang und Umgebung fehlen. Auf der Bühne zeigen sie ihr tänzerisches, akrobatisches und musikalisches Können, aber auch gastronomisch sind sie vertreten. 22 Vereine haben in diesem Jahr einen eigenen Stand, dabei gibt es immer wieder auch einen Wechsel. Erstmals ist in diesem Jahr beispielsweise der Musikzug der TSG Backnang nicht vertreten. Es sei ihnen nicht gelungen, die nötigen ehrenamtlichen Helfer zu rekrutieren, sagt Organisator Jürgen Häfner mit Bedauern. Unter die Standbetreiber sei dagegen der FC Viktoria Backnang zurückgekehrt und das Portugiesische Zentrum ist ebenfalls neu dabei.

 

  •  Die letzten Takte einer Hip-Hop-Vorstellung auf der Bühne auf dem Willy-Brandt-Platz im Biegel verklingen. Die rund 15 attraktiven Mädchen, die soeben noch bei harten Beats einen super rhythmischen Tanz aufs Parkett legten, sinken beim Schlussakkord zu Boden und richten ihre Blicke auf eine Person, die stehen geblieben ist – auf den einzigen jungen Mann in der Gruppe. Der genießt den Augenblick und schaut keck und selbstbewusst ins Publikum. Vorhang. Wie fühlt er sich als Hahn im Korb? „Ich habe Hip-Hop schon mit zehn Jahren getanzt, damals war ich in Schorndorf auch der einzige Junge. Das war schon komisch. Da war ich einfach noch zu jung, konnte mit Mädchen noch nichts anfangen. Deswegen war ich nur ein halbes Jahr dabei“, erinnert sich Joscha Krauß. „Aber jetzt ist das anders. Da ist es irgendwie ganz normal, auf freundschaftlicher Ebene. Ich bin zwar Blickfänger, werde aber nicht angehimmelt“, sagt der 16-Jährige, der die Dance Intense Factory von Marc Sailer in Backnang besucht. Seine Formation hat gar keinen richtigen Namen, „wir nennen uns einfach nach dem Termin, wann wir trainieren – Montag-18.30-Uhr“, sagt Joscha, der in Rudersberg-Schlechtbach wohnt und in Backnang die zehnte Klasse der Waldorfschule besucht. Ob er eine Freundin hat? Diese Frage verneint er. Ob er sich eine aus seiner Tanzgruppe vorstellen könnte? Der 16-Jährige lacht und gibt – ganz diplomatisch – keine Antwort.

 

  •  Vielseitig und bunt das Angebot gestern beim 37. Kunsthandwerkermarkt in der Uhlandstraße. Wohlriechende Seifen, farbenprächtige Taschen und Schuhe aus Indien, Papierkunst und Glückwunschkarten aus Vietnam, Küchenutensilien aus Olivenholz, selbst gemachter Schmuck aus Silber – und dann ein Stand voller Schnecken. Um es genau zu sagen: Schneckenhäuser von heimischen Weinbergschnecken. In allerlei Variationen, als Lampe mit Mosaiksteinen oder als Lichterkette, als Blumentopf für einen Mini-Kaktus oder einfach schön bunt in Serviettentechnik gestaltet. „Alle echt, natürlich“, versichert Tanja Strehnisch. Sie muss es wissen, denn sie züchtet die Kriechtiere, die ihr mobiles Heim stets auf dem Rücken mitschleifen. Ganz hier in der Nähe ist ihre Zuchtanlage, im Aspacher Teilort Röhrach. Wie viele sie hat? Gezählt hat sie sie noch nie, aber sie hat eine Hochrechnung parat: „Es müssten zwischen 300 000 und 500 000 sein.“ Auf ihrer Anlage, die ein halbes Hektar misst, hat sie im Jahr 2006 mit 20 Schnecken pro Quadratmeter angefangen. „Sie sind ab drei Jahre geschlechtsreif, legen dann zweimal im Jahr ein Eigelege mit jeweils 30 bis 70 Eiern ab. Ich ernte jedes Jahr eine gute Tonne . . .“, die restlichen lässt sie für ihre Zucht leben. Ihre Hauptabnehmer sind Pharmazieunternehmen, die aus den Schnecken Krebsmedikamente herstellen. Viele werden auch von Restaurants abgenommen. Oder sie bereitet die Schnecken selbst zu und bietet ihr Schneckenpfännle, wahlweise mit Champignons, auf Naturparkmärkten an. „Das Fleisch ist sehr, sehr zart, schmeckt leicht nussig und erdig und man muss es kaum würzen“, sagt die Züchterin. Gespannt ist sie jetzt schon auf ihre Premiere beim landwirtschaftlichen Hauptfest in Stuttgart, das alle vier Jahre stattfindet, diesmal vom 29. September bis 7. Oktober. „Da muss es brummen“, sagt Tanja Strehnisch, denn die Standmiete von 5 000 Euro will erst mal verdient sein.

 

  •  Etwa 30 Zuhörer haben sich zum Vorlesenachmittag im Bandhaus Theater eingefunden. Zu Ehren der Kinderbuchautorin Enid Blyton, die vor 50 Jahren starb, wurde deren Geschichte „Fünf Freunde wittern ein Geheimnis“ vorgetragen. Martina Heckert-Schultheiß, Lehrerin am Max-Born-Gymnasium, gab einen kurzen Überblick über das Leben und Wirken der Autorin, dann wurde Marianne Engelhardt, die Leiterin der Stadtbücherei, für ihren Einsatz um die Veranstaltung gewürdigt. Diese zeigte sich gerührt. Es sei ihr Anliegen gewesen, den Kindern und Jugendlichen „Spaß am Lesen und am Vorlesen“ zu vermitteln. Sie hoffe, dass auch ihre Nachfolgerin den Vorlesenachmittag weiterführe. Dann ging es auch schon los mit der Geschichte: 20 Vorleser hatten sich in diesem Jahr angemeldet, darunter Schüler verschiedenster Schulen, aber auch einige Erwachsene. Für die Schülerin Svenja Schäfer ist das Vorlesen beinahe schon Routine, zum wievielten Mal sie dabei ist, kann sie nicht mit Sicherheit sagen. „Auf jeden Fall schon ziemlich lange“, sagt sie. Wie alle anderen Teilnehmer bekommt sie für ihren Einsatz einen Bummelpass für den Vergnügungspark auf der Bleichwiese und eine Urkunde.
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